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BÖLÜM 15

Farbe auf Beton

Berlin ist weltweit für seine Street-Art-Szene bekannt. Einer der bekanntesten Künstler der Stadt nennt sich 'Azul'. Lukas traf ihn an der East Side Gallery, um mehr über seine Motivation zu erfahren. Azul versteht seine Kunst als einen Dialog mit der Stadtgesellschaft. Er nutzt keine Leinwände, sondern große Fassaden und Mauern, um seine Botschaften zu verbreiten. Für ihn ist die Straße die ehrlichste Galerie der Welt.

Azul beginnt seine Arbeit meistens in der Nacht oder am frühen Morgen, wenn die Stadt noch ruhig ist. Er arbeitet mit Sprühdosen, Schablonen und manchmal auch mit Kleister. Seine Motive sind oft politisch oder ökologisch geprägt; er möchte die Passanten zum Nachdenken anregen. Obwohl seine Kunst oft vergänglich ist – da sie übermalt oder vom Regen zerstört werden kann – liebt er diesen Prozess der ständigen Veränderung.

Lukas fragte ihn, ob Street Art nicht eigentlich Vandalismus sei. Azul erklärte differenziert, dass es einen großen Unterschied zwischen sinnlosen Schmierereien und durchdachter Kunst gebe. Er bittet oft Hausbesitzer um Erlaubnis, bevor er eine Wand gestaltet. Er glaubt, dass Kunst den öffentlichen Raum aufwertet und die Lebensqualität in grauen Betonvierteln verbessert. Für viele Berliner ist Azul ein Held, der Farbe in ihren grauen Alltag bringt.

In seinem Atelier, einem kleinen Kellerraum in Kreuzberg, entwirft Azul seine Skizzen. Er verbringt Wochen mit der Planung eines neuen Projekts. Lukas war beeindruckt von der Präzision und dem technischen Wissen, das hinter einem riesigen Wandbild steckt. Azul hofft, dass die Stadtverwaltung Street Art mehr fördert, anstatt sie nur als Problem zu sehen. Er sieht sich als Teil einer Bewegung, die Kunst für alle Menschen zugänglich macht, unabhängig von ihrem Einkommen.