Die Hüterin der Geschichten
Frau Wagner arbeitet seit über dreißig Jahren in einer der größten öffentlichen Bibliotheken Berlins. Lukas besucht diesen Ort regelmäßig, um in Ruhe an seinen Designprojekten zu arbeiten oder Fachliteratur auszuleihen. Für Frau Wagner ist die Bibliothek nicht nur ein Ort für Bücher, sondern ein soziales Zentrum für die Nachbarschaft. Ihr Arbeitstag beginnt mit dem Sortieren der zurückgegebenen Medien und der Aktualisierung des digitalen Katalogs.
Obwohl viele Menschen heute E-Books lesen, stellt Frau Wagner fest, dass das gedruckte Buch immer noch eine große Anziehungskraft besitzt. Besonders am Wochenende kommen viele Familien, um Zeit in der Kinderabteilung zu verbringen. Frau Wagner organisiert regelmäßig Lesungen und Workshops, um die Lesekompetenz von Kindern zu fördern. Sie ist überzeugt, dass der Zugang zu Bildung für alle Menschen kostenlos und unkompliziert sein sollte.
Die Digitalisierung hat ihren Beruf stark verändert. Früher verbrachte sie viel Zeit mit Karteikarten, heute erklärt sie den Besuchern, wie sie Apps nutzen oder online Datenbanken recherchieren können. Trotz der modernen Technik legt sie großen Wert auf die persönliche Beratung. Sie liebt es, wenn sie jemandem ein Buch empfehlen kann, das dessen Leben beeinflusst oder inspiriert. Für sie ist jeder Leser eine neue Entdeckungsreise.
Am Abend, wenn es in den großen Räumen still wird, genießt Frau Wagner die besondere Atmosphäre zwischen den hohen Regalen. Sie weiß, dass Bibliotheken im digitalen Zeitalter ihre Rolle neu definieren müssen. Dennoch ist sie optimistisch, dass physische Orte der Begegnung in einer immer virtuelleren Welt an Bedeutung gewinnen werden. Lukas schätzt Frau Wagners Wissen sehr und betrachtet sie als das kulturelle Gedächtnis des Viertels.